Owls ‘n’ Bats Festival 2015 – Review

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04.Juli 2015. Ein verdammt heißer Tag. Das Thermometer zeigt 37° und mein Deo hat versagt. Ungünstige Voraussetzungen für ein Festival. Schnell noch eine kalte Dusche und dann geht’s los. Zum Glück hat das Auto Klimaanlage, sonst wäre es nicht zu ertragen. Die Strecke Bielefeld – Detmold ist schnell überwunden. Mehr Überwindung kostet es, aus dem Auto zu steigen und sich der Hitze zu stellen. Die Luft hier oben auf der Grotenburg ist besser zu ertragen als im Talkessel von Bielefeld. So ein paar Höhenmeter machen schon einiges aus. Ich werde auch von einer seichten Brise überrascht, die immer wieder für ein wenig Erfrischung sorgt. Falls es erfrischend ist, sich einen Fön ins Gesicht zu halten. Wo ist denn jetzt die Waldbühne? Ein wenig verloren blicke ich mich um und folge dann einfach ein paar schwarzgekleideten Leuten, die anscheinend auch zum Owls ‘n’ Bats wollen. Bingo! Da ist der Eingang. Bändchen abgeholt und an der Security vorbei. Jetzt erst einmal orientieren.

P1010552Gegenüber vom Eingang der Toilettenwagen. Schonmal gut zu wissen. Daneben die Sanitäter vom Roten Kreuz, die bei diesem Wetter in ihrem Outfits sicher auch nicht wirklich Spass haben. Rechts und links vom Weg stehen einige Buden und Stände. Das ist er also, der Schattenmarkt. Hier gibt es reichlich zu sehen und zu staunen. Von Bekleidung über Schuhe, von Masken und skurrilen Kopfbedeckungen zu allen möglichen und unmöglichen Accessoires die zum Stöbern einladen.  Wenn nur nicht grade wieder einmal Ebbe auf meinem Konto wäre….

Der Soundcheck ist im vollen Gange und das dumpfe Wummern der Bassdrum verleiht dem Ganzen ein monotones, fast schwermütiges Flair. Es riecht nach Fichtennadeln und gebratenem Fleisch. Die Luft flirrt über dem Platz und Menschen stehen und sitzen im Schatten der hohen Nadelbäume. Ich treffe auf Matthias Reimann, einem der Veranstalter des Festivals. Emsig läuft er durch das Gelände, der Schweiß steht ihm auf der Stirn und die Anstrengungen und Mühen der Vorbereitung und Organisation sind in seinem Gesicht abzulesen. Trotzdem grinst er breit. Kurze Begrüssung, dann muss er auch schon weiter. Hier fehlt noch ein Kabel, da muss noch ein Schlauch hin. Tauschen möchte ich heute auf keinen Fall mit ihm.

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Endlich die Waldbühne. Wie ein Amphitheater liegt sie zu Füssen des Hermannsdenkmals und bietet Platz für ca. 1000 Personen. Ich setze mich auf eine der hölzernen Bänke in den Schatten und lausche dem Soundcheck. Auf der Bühne malträtieren grade Zeitgeist Zero ihre Instrumente. Positiv überrascht mich der satte Sound der Anlage. Kein Klirren, keine ungewollten Verzerrungen und von allen Plätzen gut und ohne nennenswerte Qualitätseinbußen zu hören.
Das gibt volle Punktzahl für den Sound.
Da bis zum ersten Bandauftritt noch Zeit bleibt, gehe ich etwas trinken. Die Preise sind für ein Festival sehr human. Ein großes Glas Mineralwasser für 1,50 € ist ok. Bier für 2,50 € auch.

Ich begrüsse Zuzie Marmetschke, Mitveranstalterin und guter Geist des Owls ‘n’ Bats. Ihr macht das Wetter nichts aus, sagt sie. Solange sie im Liegestuhl am Bach liegen kann, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Schmunzelnd gehe ich weiter und überlege, noch etwas zu essen. Zwei Stände stehen zur Auswahl. Der eine bietet Hamburger an, der andere Suppen. Suppen? Ich reibe mir die Augen. Von welchem Planeten kommen die denn? Suppe bei 37° im Schatten? Ich habe mit Bratwurst gerechnet, Hot Dogs, vielleicht Crepes. Für ein Festival geht man hier kulinarisch anscheinend andere Wege. Sehr positiv, wie ich finde. Ein schön kühles Gazpacho-Andaluz, sowie eine fruchtige Erdbeerkaltschale mit Tomaten und Basilikum stehen u. a. im Angebot. Erfrischend und sättigend zugleich. Doch auch die Hamburger haben es in sich. In einem Fladenbrotviertel bekommt man wahlweise vegetarisch/vegane Bratlinge oder 100% Rindfleisch nebst anderen Zutaten, die für entsprechenden Speichelfluß sorgen. Pappsatt wende ich mich wieder dem Festival zu. Ich habe mich übrigens für einen Hamburger entschieden. Mit Rindfleisch versteht sich.

P1010611Spiral69 betritt pünktlich um 16.00 h als Opener die Bühne. Ehrlich gesagt tun mir die Jungs aus Rom schon ein wenig leid. Doch was solls. Vor 2000 Jahren hatten die hier in Ostwestfalen auch schon nichts zu lachen. Die Sonne scheint noch voll aufs Bühnendach und dem Schlagzeuger fließt der Schweiß in Strömen über den nackten Oberkörper. Doch ungeachtet der Wärme liefert das Trio rund um Frontmann Riccardo Sabetti eine geile und überzeugende Show ab. Auch der Hermann steigt nicht von seinem Sockel um die Römer aus dem Teuto zu vertreiben. Ich hoffe, zukünftig noch mehr von den New Wave Rockern zu hören und werde davon berichten.

20150704_172518Nach einer kurzen Pause betreten Zeitgeist Zero die Bühne. Das 5köpfige Ensemble aus Leeds heizen dem ohnehin schon schwitzendem Publikum mächtig ein. Sie stilistisch einzuordnen gelingt mir nicht wirklich. Eine Mischung aus Wave-Rock, Psychobilly und Elektropop. Sie sind burlesque, frech und machen Laune. Wer die Möglichkeit hat, sie live zu sehen sollte es auf gar keinen Fall verpassen.

 

Michael SeleLeider kann ich den Gig nicht bis zum Ende genießen, denn mein persönliches Highlight steht an und ich verlasse die Waldbühne in Richtung Backstagebereich, der sich ca. 200 m von der Waldbühne entfernt in einem abgetrennten Saal im Restaurant am Hermannsdenkmal befindet. Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, was auch nötig war, treffe ich im Backstage Michael Sele, dem musikalsichen Kopf von The Beauty of Gemina zu einem Interview. Dazu aber mehr in einem separatem Beitrag. Nur vorab: Es war Megageil!

20150704_190102Winter Severity Index, 2 Mädels aus Rom, stehen schon auf der Bühne, als ich das Festivalgelände wieder erreiche. Es ist merklich voller geworden. Ein Gartensprenger bietet
eine mehr als willkommene Abkühlung und wird auch von mir immer wieder zur Erfrischung genutzt. Noch immer leicht euphorisch vom Interview versuche ich mich auf die Bühne zu konzentrieren.
Simona Ferrucci und Alessandra Romeo bieten dem Publikum New Wave in einem ungewöhnlichen Format an. Nahezu sphärische Klänge und die eingehende, melancholische Stimme von Simona schallen durch den Teuto und verleiten zum Träumen. Untermalt werden ihre Songs durch eingeblendete Projektionen, Bilder und Worte. Ihre Songs sind sehr gefällig, aber sicherlich auch nicht jedermanns Geschmackt. Ich werde mich auf jeden Fall noch intensiver mit Winter Severity Index befassen.

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Bevor die nächste Band auftritt nutze ich die Pause, um mich mit anderen Besuchern am Getränkestand auszutauschen, den Merchandise-Stand aufzusuchen und neue Kontakte zu knüpfen. Ich habe selten auf Festivals oder Konzerte so eine freundliche und familiäre Stimmung erlebt.  Zu meiner Überraschung treffe ich am Merch auf Tina und Andy von No More, die bereits letztes Jahr auf dem Owls ‘n’ Bats aufgetreten sind. Mit Ihrem Song „Suicide Commando“ haben sie Anfang der 80er für Furore gesorgt. Am 31.Juli erscheint ihr neues Album und wir dürfen gespannt sein. Die Beiden sind absolut sympathisch und ich werde sie hoffentlich vorher noch vors Mirco bekommen.

20150704_212033Psyche kommen ursprünglich aus Kanada. Darrin C. Huss und Stefan Rabura versetzen mich zurück in die 80er Jahre als Synthpop und Dark-Electronic-Wave ihren Höhepunkt hatten. Die Stimme von Darrin ist überwältigend. Ein Song nach dem anderen schallt durchs Micro, ohne daß die Kraft seiner Stimme Schwächen zeigt. Dabei tanzt und springt er über die Bühne wie ein Dullhermken, wie wir in Ostwestfalen sagen. Ein Derwisch, total irre, eine Show, die in Erinnerung bleibt. Leider gibt es von Psyche seit 10 Jahren kein neues Album. Doch das soll sich bald ändern, wie ich erfahren habe. Ich bleibe da am Ball.

20150704_224038Die Umbauphase auf der Bühne nutze ich nochmal, um am Getränkestand nachzutanken und noch kurz mit Darrin Huss ein paar Worte zu wechseln. Dann ist es soweit. Die Headliner des diesjährigen Owls ‘n’ Bats betreten die Bühne. Mittlerweile ist es dunkel geworden und die Bühne erstrahlt im Licht der Scheinwerfer. The Beauty of Gemina mit ihrem charismatischem Frontmann Michael Sele ziehen vom ersten Akkord an das Publikum und auch mich in ihren Bann. Eine perfekt abgestimmte Lichtshow sorgt ebenso wie die dunkel melancholische Stimme des Sängersfür eine Atmosphäre, die Gänsehaut bereitet. Songs wie „Dark Rain, Mariannah und The lonesome Death of a Goth DJ“ verleiten zum Tanzen und mitsingen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Viel zu schnell ist es Mitternacht und das Ende des Festivals in Sicht. Schade. Ich könnte den schweizer Musikern noch stundenlang zuhören. Man entdeckt immer wieder neue Elemente in ihren Songs. Einflüsse von Blues, Folk und Klassik lassen sich nicht verleugnen. Dazu noch Sänger und Multiinstrumentalist Michael Sele, der mit seiner Andy Warhol Frisur die Blicke auf sich lenkt. Der Mann füllt mit seiner Aura schon allein die ganze Bühne. Von seiner Stimme ganz zu Schweigen. The Beauty of Gemina beendet mit „One million Stars“ ihr Set und mein Blick wandert hinauf zum Himmel. Über der Bühne erstrahlt das Hermannsdenkmal in einem fahlen, grünen Licht und es macht den Eindruck, als ob der alte Cherusker lächelt.

11657495_914833618583950_726469903_nIch setze mich, atme tief durch und ziehe mein persönliches Resümee. Ich bin erschöpft aber begeistert. Ein absolut geniales und  überwältigendes Event! Owls ‘n’ Bats ist ein Festival mit einem besonderen Charakter und ich habe die ganze Zeit den Eindruck, unter Freunden zu sein. Das Line-up ist stimmig. Die Bands sind handverlesen und das merkt man. Auch wenn man nicht alle Bands kennt, so kann man sich auf den guten Geschmack der Veranstalter verlassen. Ein großes Lob auch für die Organisation und Preisgestaltung. Der Eintrittspreis ist mit 25 Euro nicht zu hoch angesetzt und auch die Getränke- und Essenspreise sind für ein Event dieser Art mehr als fair. Ich hätte auf Flaschenbier verzichtet. Die Verletzungsgefahr durch Scherben oder umherfliegende Flaschen ist mir zu groß. Die Location ist überwältigend. Sie hat aber den Nachteil, daß sie mit öffentlichen Verkehrsmittel schwer zu erreichen ist. Man ist aufs Auto oder Fahrgemeinschaften angewiesen. Andererseits ist das Parken kostenlos und das Gelände ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Vielen Dank an die Veranstalter und ihre Helfer für dieses überragende und außergewöhnliche Event. Ein herzliches Dankeschön und meinen Respekt auch an die Bands und ihre Teams, die eine grandiose Show abgeliefert haben und trotz der Temperaturen immer offen für ein freundliches Gespräch mit den Fans waren. Ich hoffe auf ein Wiedersehen beim nächsten Owls ‘n’ Bats 2016!

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Interview mit Michael Sele von The Beauty of Gemina

Fotos: © Juliane Nehls + Thomas Becker