Dr. Will and the Wizards / 11.02.2011 Yorkschlösschen

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Story und Fotos by Holger Ott

Aus den tiefsten Sümpfen, den Muddy Waters des Mississippi-Deltas herangespült, und mit einer Stimme ausgestattet die es ihm erlaubt sich die Bourbonstreet in New Orleans von Einem Club zum Nächsten zu singen, trieb diese Stilblüte mit seiner Band sein Unwesen in der Hauptstadt. Für mich bis Dato ein völlig unbeschriebenes Blatt ließ ich mich überraschen, was der Zeremonienmeister Dr. Will mit seinen Wizards im Yorkschlösschen zelebrieren würde. Da standen fünf Charaktere auf der Miniaturbühne die ihres Gleichen suchten. Jeder von ihnen regte meine Fantasie in die Richtung verschiedener Hollywoodproduktionen an.

Der Mann am Contrabass kommt Alex aus Uhrwerk Orange in Outfit und Mimik sehr Nahe. Sein Leadgitarrist wurde vermutlich für diesen Abend aus seinem Käfig entlassen, in dem der Hillbilly jahrelang vor der Menschheit versteckt wurde. Dessen Kollege am Banjo könnte glatt als Dandy jeder Millionärswitwe in Monte Carlo das Geld aus der Tasche ziehen um es mit der eleganten Sängerin sofort wieder zu verjubeln. Und nicht zu vergessen Dr. Will, Voodoopriester, Blues und Boogiemusiker mit Waschbrettbauch, James Brown Parodist, Sänger und Entertainer in Person. Der Abend schien also ein Riesen Spaß zu werden, und ich wurde nicht enttäuscht.

Das die Band ursprünglich aus Süddeutschland stammt und dort seit 15 Jahren Kultstatus hat, wussten anscheinend sehr viele Berliner zu schätzen, und so war das kleine Yorkschlösschen proppenvoll. In drei Blöcken zog Dr. Will seine hervorragende Show ab und steigerte sich dabei von Song zu Song. Ihm und seiner Band, den Wizards, zuzusehen war eine reine Augenweide bei dem ein Höhepunkt den anderen jagte. Musikalisch wurde alles geboten was der traditionelle Musikmarkt zu bieten hat. Von Skiffle bis Gospel, Blues bis Rock´n Roll war, in einer sehr gesunden Mischung, alles dabei was einen gelungenen Abend ausmacht. Eingestreut wurden einige klassische Coversongs, wie bereits erwähnt von James Brown und diversen anderen Größen amerikanischer Musik, die das Gesamtpaket hervorragend abrundeten. Multiinstrumentalist Dr. Will zeigte dabei das er nicht nur als Voodoopriester und Sänger perfekt ist, sondern bewies an seinem Minimalschlagzeug, das man auch musikalisch aus wenig sehr viel machen kann. Das gleiche Kompliment gilt auch der charmanten Sängerin, die sich nicht nur am Schifferklavier austobte. Immer wieder zum Schmunzeln brachte mich der Troll an der Leadgitarre, ohne das jetzt abwertend zu nennen. Im Gegenteil, stand der Mann doch zeitweise da als wenn sein Gehirn auf Leerlauf geschaltet war, mit starrem Blick ins Nirgendwo, so ging er völlig ab als seine Solopassagen einsetzten. Dann quälte er seine Fender Telecaster mit einer Inbrunst die Beispielhaft war. Der ruhende Pol der Combo am Banjo und der Gibson Les Paul, im weißen Dinnerjacket mit gestriegelten Haaren, dezent im Hintergrund spielend, Typ Frauenschwarm, kam hingegen seltener dazu seine musikalischen Qualitäten zu beweisen. Ab und zu mal das Banjo im Vordergrund oder eine kleine Passage auf der Gibson, aber das war es auch schon. Trotzdem ist der Mann unverzichtbar und eine sehr gute Ergänzung der Band. Leider konnte auf Grund des Platzmangels im Yorkschlösschen nicht das volle Showprogramm abgefeuert werden. Hat doch Dr. Will noch viel mehr Requisite im Tourbus als auf der kleinen Bühne Platz fand.

So musste Schaufensterpuppe Marlene zwangsläufig vor der Tür das Auto bewachen und sich die Show von draußen ansehen.

Dr. Will & The Wizards haben mich, und ich vermute die meisten im Publikum, überzeugt und ich bin gespannt auf mehr. Aber dann den vollen Voodoo-Zauber auf der großen Bühne mit allen Gimmicks die Dr. Will zu bieten hat.

www.drwill.de

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