Blackmore’s Night – Burg Linn Krefeld

 

Blackmore’s Night

EPKWer ist Ritchie Blackmore? Vor kurzem wären mir auf diese Frage die üblichen Stichworte wie Gitarrengott, Deep Purple, Rainbow oder gar „Smoke on the Water“ eingefallen.  Dass er dem Hardrock seit bald 20 Jahren den Rücken gekehrt hat und seit dem etwas ganz anderes macht, war mir nicht klar. Heutzutage macht er zusammen mit seiner Gattin Candice Night eine Mischung aus Musik der Renaissance und Folk, angehaucht mit Pop/Rock Songstrukturen.

Als Location bevorzugen sie Burgen und Kirchen, so wie auch an diesem Abend als sie im Hof der Burg Linn in Krefeld zugegen waren. Die Sonne neigte sich über den Wipfeln der Bäume und das den Sprachen nach teilweise weit angereiste Publikum fieberte dem Auftritt entgegen. Eine illustre Mischung aus Menschen in mittelalterlichen Kostümen, Normalos oder  Motorrad-Rockern in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre.

Als die Sonne untergangenen war, die Burg im Licht der Scheinwerfer erstrahlte, war es dann so weit. Angeführt von Candice Night, in einem wunderbaren roten Kleid, passend zum Abendrot, betraten die Musiker die in blaues Licht getauchte Bühne und eröffneten den Abend mit dem Titelsong der aktuellen Platte „The Dancer and the Moon“.

Die Musik hatte einen stark ausgeprägten poppigen Charakter, transportiert von einer Sängerin als Frontfrau, die ihr Handwerk wirklich versteht. Kein Starweibchen, wie man es vielleicht erwarten mag, sondern eine Musikerin, die auch auf den vielen Instrumenten, deren Namen ich nicht nennen kann, ihre Fähigkeiten unterstreicht. Herr Blackmore, schwarz gekleidet, zeigte cool im Hintergrund, warum er eine herausragende Stellung in der Musik besitzt.

Das Konzert war musikalisch sehr anspruchsvoll und auch für Nichtliebhaber des Genres, das sich gar nicht so genau eingrenzen lässt, ein Erlebnis. Auch wenn Songs wie „Under a Violet Moon“ etwas von Tanzen und Springen, Lachen und Singen transportieren, kam diese Musik glaubwürdiger rüber. als die von manch anderen Künstlern, die immer nur das gleiche Erfolgsrezept verfolgt haben.  Da dachte auch der harte Rocker heimlich:  Das ist irgendwie schön!

Die Zusammenstellung aus modernen und historischen Instrumenten, das liebevoll entworfene Bühnenbild, das die Musiker zwischen Pflanzen und Felsen einbettete, die wohl dosierte Lightshow, waren so unglaublich stimmig, dass ich das Gefühl hatte, etwas ganz Neues zu erleben. So zeigte unter anderen der Song  „Soldier of Fortune“ den Blackmore einst mit David Coverdale schrieb, dass die Schere zwischen Blackmores Vergangenheit und dem, was er heute macht, nicht so weit auseinander geht. Ein großer Song ist auch auf einer einfachen Gitarre gespielt ein großer Song. Für mich persönlich hatte er im Stile von Blackmore’s Night sogar noch mehr Ausstrahlung als im Original.

Es war einfach unglaublich, wie wohltemperiert Ritche Blackmore seine Gitarre spielt. Erlebt man dies live, wird einem bewusst, was das Besondere an ihm ist. Das ist unbeschreiblich. Er kann die Gitarre so anschlagen, dass er den Punkt, an dem ein Ton genau die Dynamik erreicht, die er braucht, auf das genaueste trifft.  Er spielt in einer eigenen Liga.

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http://youtu.be/Z_LDdIMExTI

Candice und Ritchie leben dabei ihre Liebe aus, gegossen in Musik. Mich hat das sehr berührt. Das Ganze strahlte eine ehrliche Fröhlichkeit aus.  Diese Leichtigkeit erkannte man auch im Umgang der Musiker miteinander. So gab es auch mal einen Witz auf Kosten des großen Meisters. Bei mir entstand der Eindruck, dass Blackmore mit seinem Image spielt. Er scheint ein netter und witziger Kerl zu sein. Nicht der Egozentriker, als der er gerne dargestellt wird.

Diese Reise durch 17 Jahre des Projektes „Blackmore’s Night“  war auf eine gewisse Weise auch eine Reise durch die Welt der Musik. Neben den eigenen Songs wurden Stücke wie „Moskau“ eingebaut, dass wie ein ironisch angedeutetes politisches Statement (Russland ist ein schönes Land)  wirkte. Manchmal musste man auch drei Mal hinhören, um zu erkennen, was sie nun jetzt wieder eingebaut haben. So integrierten sie z.B. einen Elvis Presley Song auf ihre ganz spezielle eine Art und Weise.

Ob mittelalterlicher Touch, Kirchentonarten in “phrygisch” und “mixolydisch”,  eine Zusammenstellung von Welthits oder die „Ode an die Freude“ von Beethoven, in diesem musikalischen Gewand wirkte alles wie aus einem Guss. Ritchie war für mich dabei musikalisch immer klarer zu erkennen, fast wie auf den frühen “Deep Purple” – Platten in meinem Kinderzimmer. Das bekommt kein anderer so hin.

Das ganze Konzert war eine wohl dosierte Steigerung, die mit sanftem “pop-folk” begann und am Ende in „some kind of rock“ gipfelte. Der große Blackmore, der auf der Bühne wirkte, als wäre er eher zufällig dabei, Candice Night als Sängerin und die gelungene Auswahl an Musikern, passten wie die Teile eines Puzzles zusammen.

Blackmore’s Night hat mich überzeugt.