Wolfgang Schulze/ Annelies Jaminon: Innenwände

Wolfgang Schulze bezeichnet sich selbstironisch als „Lüriker und Lebenskynstler“ und hört als solcher am liebsten auf den Namen Petros. Sein Geverstes und Gestrophtes findet sich regelmäßig in seinem lauschigen Bloghaus im Internet (www.blogpoesie.de), das er allerdings gerade verlassen hat, um die Insel Kreta einmal von Ost nach West zu durchwandern. Wünschen wir ihm auf dieser hölderlinesken mediterranen Reise viel Glück und sehen uns etwas Gedrucktes von ihm an.

Der im Selbstverlag erschienene Band „Innenwände“ kontrastiert Lyrik aus der Feder von Wolfgang Schulze mit Bildern der niederländischen Fotografin Annelies Jaminon. Diese verfremdet ihre Aufnahmen zu Collagen. Der großzügig gestaltete Band stellt nun 22 Gedichten ebenso vielen Bildwerke auf jeweils einer Doppelseite gegenüber. Das klingt nach wenig – ist aber viel mehr als es scheint. Denn gerade das kleinformatige Bild auf der einen und das mitunter zu einem Haiku verdichtete Wortwerk auf der anderen Seite machen den größten Eindruck. Da steht dann eine bis zur Silhouette verfremdete Schwarzweißaufnahme drei winzigen Zeilen gegenüber: „Die Reise zum Selbst./An die Quelle des Lebens./Noch bin ich im Weg.“

Das Buch lässt Bild und Text viel Rand und dem Leser damit unendlich viel Freiraum für eigene Gedanken.

Also wollen, so lange der Dichter auf Wanderschaft ist, auch wir den Sommer mit diesem schönen Buch nutzen: „Lass küssen, dich Nacht…/ Schnell! Denn schon naht der Herbstmond/ Mit schweren Träumen.“

Wolfgang Schulze/ Anneliese Jaminon. Eutin 2011. ISBN 978-3-00-036606-2. 56 S.,  EUR 17.90.