Warpaint – zarte Kriegsbemalung, die unter die Haut geht

Warpaint - Warpaint - CoverIch mache die Lichter aus und Kerzen an, damit die Musik von Warpaint Raum hat, sich zu entfalten. Deren zweites Album – nach ihrem Debüt mit „The Fool“ – mit demselben Namen „Warpaint“ braucht eine twilight zone, einen Platz zwischen dem Greifbaren und dem Verschwimmen von Konturen. Die Musikinstrumente liefern klare, tiefe Rhythmen und einen sphärischen Hintergrund im Bassbereich, auf den sich die Vokalsstimmen fein drüberlegen und hell davon abheben können. Die Grundstimmung ist beschwingt und positiv, aber auf eine ruhige, verträumte Weise. Die Musik wirkt auf mich schwebend, bewegt sich wie unter Wasser, aber mit deutlich umrissenen Bläschen, die aufsteigen, an die Oberfläche kommen und gesehen werden wollen.

Das Album oszilliert zwischen geraden Linien und verschlungenen Mustern, zwischen einer Stimmung, die sich langsam entfaltet, so dass die einzelnen Titel zunächst wenig abwechslungsreich erscheinen mögen. Die auf dieser CD präsentierte Musik lebt jedoch von feinen Nuancen und spielerischen Zwischentönen. Es fordert mich beim ersten Hören heraus, ist ein wenig anspruchvoll und offenbart erst bei mehrfachem Hören seine Experimentierfreude. Die Scheibe kreist mit ihren unterschiedlichen Anläufen um eine wenig greifbare Stimmung: Was mir zu Ohren kommt wirkt zart, weiß aber zugleich, wo es lang will. Unabhängige Musik von und für einen unabhängigen Geist, ohne zu verwirren und überspannt zu sein, sondern stimmig und zentriert.

Die Tracks „Keep it healthy“ und „Hi“ klingen für mich sehnsuchtsvoll-melancholisch. Verträumt-geheimnisvoll sind die Songs „Biggy“ und „Teese“. Die neue Scheibe von Warpaint gilt zu Recht als „Geheimtipp aller Anhänger von träumerischem Post- und Psychedelic Rock“ (ampya). „Disco very“ ist dem Titel entsprechend schwungvoller und bizarrer. Die vier Frauen von Warpaint, Emily Kokal, Jenny Lee Lindberg, Stella Mozgawa und Theresa Wayman verdichten „Feeling alright“ besonders gegen Ende zu einer zuversichtlichen Note und lassen „CC“ in einer mysteriösen beinahe hypnotischen Stimmung erklingen. Zu einem richtiggehenden Ohrwurm hat sich für mich aufgrund seines eingängigen Refrains „Love is to die“ entwickelt. „Drive“ baut sich langsam, aber kraftvoll auf und spricht mich emotional an. Mit dem nachdenklichen Titel „Son“ entläßt Warpaint den Zuhörer wieder sanft in seine eigene Welt. Ob es „das erste echte Meisterwerk des Jahres 2014“ (Die Welt) ist, muss – nicht zuletzt dem Ideal der Unabhängigkeit der vier Frauen geschuldet – doch jeder für sich selbst entscheiden.

Warpaint – Warpaint ist erschienen am 17.01.2014 bei Rough Trade/Beggars Group

Webseite der Band: http://warpaintwarpaint.com/