Tanja Wekwerth – Ein Hummer macht noch keinen Sommer

hummer_xxl
Bildquelle: Goldmann-Verlag

 

Natalie ist über 40. Zeit Bilanz zu ziehen. Oder ins Kissen zu heulen. Oder das Leben von Grund auf zu verändern. Sie wird gut dafür bezahlt, dass sie als Buchmoderatorin eines Privatsenders Bestseller in den Himmel lobt – ob diese es verdienen oder nicht. Sie verliebt sich in ihren Therapeuten Theodor, einen sensiblen kultivierten Mittfünziger. Doch der ist schwul und schlägt sich mit eigenen Beziehungsproblemen herum. Gerade hat ihn sein langjähriger Lebensgefährte verlassen, ein erfolgloser Maler, der wild entschlossen ist, den künsterischen Durchbruch zu schaffen, indem er ab jetzt nur noch Hummer malt. Dies alles spielt sich in einem herrlichen Frühsommer in Berlin ab, genauer gesagt, in Charlottenburg, dem gediegenen Westen der Stadt. Und natürlich geht alles gut, jeder Topf findet seinen Deckel.

Am Anfang war ich wirklich skeptisch. Ein Unterhaltungsroman eben, ohne überraschende Wendungen. Der Leser soll nicht gefordert werden, er soll sich in diese Geschichte hineinsetzen wie in eine Badewanne. Was mich dann aber doch positiv gestimmt hat, ist die Haltung des Buches. Tanja Wekwerth macht keinen Hehl daraus, dass sie unterhaltsamen Lesestoff für die Zugfahrt schreibt und nicht für literaturwissenschaftliche Seminare. Aber einen doppelten Boden hat die Geschichte doch: Als Buchmoderatorin muss sich Natalie durch jene Schwarten kämpfen, die wirklich schlecht sind: Den fünften Aufguss einer kitschigen Vampirsaga, die zehnte Wiederholung des Kostümschinkens, in dem eine Wanderhure mit wehendem Haar in den Sonnenuntergang reitet…

Und hier wird deutlich, wie sich die Autorin dieses luftigen Sommerromans von den Produzenten solcher Dutzendware unterscheidet: Ihr fehlt der berechnende Zynismus. Tanja Wekwerth hat Respekt vor den Menschen. Das gilt für ihre Figuren wie auch für ihre Leser. Die Geschichte ist eine Aufforderung, an das eigene Glück zu glauben, an eine gute Wendung, die aus einer ganz anderen Ecke kommt als man erwartet, während man vielleicht gerade Hummer malt oder etwas ähnlich Verrücktes tut.

Tanja Wekwerth: Ein Hummer macht noch keinen Sommer. Goldmann-Verlag 2013. 284 S., EUR 8,99