Audrey Horne im Osnabrücker Rosenhof, 06.10.2013

Vor Sams Konzertbericht noch einmal der Hinweis auf Berlin für Kurzentschlossene: Heute,10.10.13,  im Magnet-Club!!

Location- & Konzert-Ceck mit Audrey Horne im Osnabrücker Rosenhof

Am Sonntag, den 06. Oktober 2013 hieß es für uns früh aufstehen, denn wir haben einen Interview-Termin mit Audrey Horne in Osnabrück.  Also packen wir das Equipment, inhalieren eine Kanne Kaffee und machen uns auf den Weg. Womit wir an diesem Sonntag allerdings nicht gerechnet hatten, war die katastrophale Verkehrslage auf der A1. Bereits kurz nach Stuhr hingen wir fest im Stau, der sich auch nicht lösen wollte. Nach fast einer Stunde rief ich dann die Tourmanagerin an um ihr Bescheid zu sagen, dass wir uns verspäten würden. Glücklicherweise war Cat super entspannt und verständnisvoll, was mich etwas aufatmen lies. Nichts desto trotz kamen wir quasi nicht voran, sodass wir uns entschlossen über Land zu fahren. So kamen wir zwar eine Stunde zu spät zum Interview, aber das war noch im zeitlichen Rahmen. Cat begrüßte uns und holte Toschie, den Sänger gleich dazu, der sehr entspannt und freundlich mit uns in den Saal des Rosenhofes ging, wo wir uns gemeinsam an einen Tisch setzten. Sehr erfreut stellten wir fest, dass hier alle sehr bemüht waren uns eine gute Atmosphäre zu schaffen. Der Lichttechniker stellte uns die Beleuchtung so ein, dass wir möglichst gutes Fotolicht hatten, und drum herum bemühten sich alle so leise wie nur möglich zu sein.

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Fotos: Django

Ich war ziemlich bemüht meine Stauaggression und das Streßgebirge wegen der Verspätung nervlich in den Griff zu bekommen, dennoch schlug es sich merklich auf mein ohnehin nicht ganz perfektes Englisch nieder, weshalb ich mehrfach nach den richtigen Worten suchen musste. Toschie nahm es aber gelassen, und somit klappte es dann auch bereits kurze Zeit später wieder etwas flüssiger. Ohnehin kann ich den Norweger als sehr höflichen und symphatischen Menschen beschreiben, der sich im Interview als äußerst redefreudig darstellte. Eigentlich war das Gespräch mit 30 Minuten angesetzt, aber wir unterhielten uns und redeten und redeten, bis nach etwas mehr als einer Stunde Cat um die Ecke kam und uns mit einem Fingerzeig auf die Uhr verschmitzt lächelnd darauf aufmerksam machte, dass die Türen gleich aufgehen um die Gäste hinein zu lassen. Wir waren schon ein wenig verwundert, dass es schon so spät war, denn wir hätten sicher noch eine weitere Stunde reden können. Wir bedankten und verabschiedeten uns von Toschie und waren nun noch mehr auf das Konzert gespannt, als vorher schon. Leider war das mögliche Zeitfenster für ein Interview mit Karma to Burn nun auch vorbei, was ich aber sicher noch irgendwann einmal nachholen werde.

Die restliche Zeit bis zum eigentlichen Beginn des Konzertes nutzen wir somit um den Rosenhof und deren Mitarbeiter mal ein wenig näher in Augenschein zu nehmen. Früher muss es wohl mal ein altes Kino oder Theater gewesen sein und das Flair ist auch noch immer spür- und sichtbar. Von außen erstreckt sich eine lange Front mit den typischen 60er/70er Jahre Flügeltürfenstern der alten Kinos über der, in dem für den 60ern ebenso passenden Leuchtschriftlettern in Schreibschrift, der Name Rosenhof prangt.

4Der Eingangsbereich ist mit einem langen Tresen und einigen Bar-Tischen und Hockern in dunklem Holz ausgestattet, welche durchaus eine angenehme Gemütlichkeit ausstrahlen. Auf der linken Seite geht es zum einen in den Keller mit den sanitären Anlagen, welche funktional und sauber sind, aber durchaus auch schon bessere Zeiten erlebt haben dürften.

Foto: Django

Für einen Laden, der sich heute hauptsächlich durch Konzerte auszeichnet, ist das Rock´n Roll-Flair aber dennoch irgendwie passend.

Wieder oben geht es  geradeaus in den eigentlichen Konzertsaal, der sich auf zwei Ebenen darstellt. Da wo früher die Leinwand war ist nun logischerweise eine große breite Bühne mit viel Bewegungsspielraum für die Musiker. Die hohe Decke, die mit allerlei Accessoires bestückt ist, erweckt die Hoffnung auf eine gute Akustik, die sich später auch bestätigen wird. Ich kann nur sagen, dass man sich hier sofort wohl fühlt und der Wunsch so eine Location auch in Oldenburg zu haben, macht sich unaufhörlich in meinem Kopf breit.

Die Getränkepreise sind auf einem guten normalen Level, wobei die Auswahl im alkoholfreien Bereich ein wenig interessanter gestaltet werden könnte. Miranda und Pepsi lösen bei mir leider keine Begeisterungsstürme aus. Bei der Bierauswahl hingegen fand ich es postitiv, dass neben dem ortsüblichen Veltins auch Astra und ein regionales Bier einer heimischen Brauerei und Fassbier angeboten wurde. Um den Kult der Location noch mehr zu unterstreichen, hätte ich mir noch frisches Popcorn gewünscht, aber man kann nicht alles haben. Die Mitarbeiter kann ich durch die Bank weg nur loben, alle sehr freundlich und kontaktfreudig, ebenso wie man es sich wünscht, wenn man irgendwo neu in einen Laden kommt. Auch das Programm des Rosenhofes kann sich sehen lassen, abwechslungsreich von Comedy, Shows, Disco und Live-Konzerten vielseitiger Natur bleiben keine Wünsche offen. Wir haben soweit alles gesehen und bestücken uns mit Getränken, denn die erste Band schickt sich an die Bühne zu erobern. Gold heißen sie und kommen aus den Niederlanden. Zwei Gitarristen, ein Bassmann, ein Schlagzeuger platzieren sich auf der Bühne und legen los. Nun ist es ja so, dass jede Band, so schlecht sie auch sein mag, von mir zunächst einmal einen Grundrespekt bekommt, denn wer über Jahre sein Instrument zu spielen lernt und die frustrierende Bettelei um Auftrittsmöglichkeiten auf sich nimmt, muss schon viel Biss haben und viele Federn lassen können. Somit werde ich versuchen meine Kritik an Gold so konstruktiv wie möglich zu halten.

Musikalisch kann man Gold wohl am ehesten im progressiven Hard-Rock einordnen, und diesen spielen die Musiker auch solide und mit viel körperlichem Einsatz. Wobei sich, auf das gesamte Konzert betrachtet, nicht ein einziger Song mit mehr Nachhaltigkeit, als einem Lufthauch zu Teil wird, durch die eigenen Gehörgänge windet. Dessen ungeachtet, hätte ich die Leistung der Band durchaus mit „gut“ bewertet, wenn da nicht die Sängerin gewesen wäre. Postitiv kann ich sagen, dass sie eine gute Figur hatte, schöne lange Haare, ein feingeschnittenes Gesicht und technisch gesehen auch singen konnte, wenn es um Volumen und korrekte Intonation geht. Allerdings kann eine gute Figur durch Bekleidung zwar betont werden, aber wenn diese durch Schnitt und Farbgebung selbst einen Harald Glööckler in den Selbstmord treiben würde, ist dieses Bühnenoutfit definitiv die falsche Wahl gewesen.

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Fotos: Sam & Django * Band: Gold

Aber darüber hätte man mit zusammen gekniffenen Augen drüber weg sehen können, wenn die näselnd quäkige Stimmfarbe einem nicht so ins Mark gefahren wäre. Und mal ehrlich, wer möchte einem Jan Delay zuhören wie er eine Heavy-Arie singt? Abgerundet wurde dieses optische und akustische Desaster durch einen kontinuierlich lustlosen Gesichtsausdruck, den betagte Männer nach 30jähriger Ehe bei ihrer Frau ernten, wenn es um die Ausübung des Beischlafes geht. Aber als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, bewegte sie sich fast den gesamten Auftritt hindurch mit ausgebreiteten Armen vor einem Ventilator, der ihre langen braunen Haare und die luftige orangefarbene Bluse zum wehen brachten, sodass sich in meinem Kopf der Satz breit machte „Flieg du Elfe, flieg….aber bitte weit, weit weg“. Aber bei aller Häme, ich hätte das alles ignorieren können, wenn man ihr wenigstens die Texte abgenommen hätte, aber selbst hier kam keine Glaubwürdigkeit zustande. Und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich nach einem 30sekündigen Höflichkeitsapplaus am Ende des letzten Songs eine fast erschreckende Stille im gesamten Saal ausbreitete, welche die Musiker, die am Bühnenrand auf die Zugaberufe warteten, dann doch eher zum Gehen animierte. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass diese Band mit einer anders besetzten Front-Position zumindest im Ansatz ein gewisses Potential in sich tragen könnte.

Nachdem Gold ihr Equipment von der Bühne räumten, richteten sich Karma to Burn häuslich ein. Was hier gleich folgen würde warf seinen Schatten bereits beim Linecheck massiv voraus. Die ersten Tritte und Schläge auf die Trommelfelle machten deutlich klar, dass hier gleich ein anderer Wind, als aus einem Ventilator wehen würde. Wie perfekt positionierte Karateschläge schlug die Bassdrum in unsere Mägen ein, die Gitarre kam ebenso direkt und ohne Umwege hinterher, während an der Trommelfellstation nochmal kräftig nachgespannt wurde. Nach einer kurzen Pause startete das Intro und dann kamen die drei Karma to Burn Rocker auf die Bühne und holzten mal eben alles weg, was nicht niet- und nagelfest oder verschraubt war.

Ebenso wie bei My Sleeping Karma, verzichten Karma to Burn auf jedwede Vocals (was der Vorband ebenfalls gut zu Gesicht gestanden hätte), setzen aber musikalisch ganz unmissverständlich auf Rock im Vollgasbereich, während My Sleeping Karma durch das Spielen mit sphärischen Klängen begeistern. Bereits beim ersten Riff sieht man die ersten Haarmähnen im Publikum kreisen und die noch vorher recht übersichtliche freie Fläche vor der Bühne füllt sich binnen Sekunden mit tanzenden und mit wippenden Gästen.

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Fotos: Django * Band: Karma To Burn

Einziger Störfaktor bei diesem Konzert ist das Bass-Echo, der auf den Tischen hüpfenden Bierflaschen. Wer hier sein Getränk nicht fest in Händen hält, hat bald keins mehr, denn hier vibriert jetzt alles. Aber – und das ist der wohl wichtigste Unterschied zu einem ach so hochgelobten Rammstein-Konzert – hier sind Klang und Bassdruck zwar kompromisslos hart und direkt, aber die prügeln einem nicht die Eingeweide aus dem Hals bis es weh tut. Der Sound ist perfekt und trifft genau da wo er hin soll! Und so bleibt der Jubel auch nicht aus. Und genau in dem Moment, wo sich bei mir nach 40 Minuten der Funke des Gedankens im Schädel breit macht, dass sich die Songs in der Struktur doch irgendwie wiederholen zu sein scheinen, setzen sie zum Finalsong des Abends „20“ an, wo dann nirgendwo mehr jemand stillstand. Ergo, alles richtig gemacht, perfekt abgestimmt, mitten in die Fresse gerockt und zum Finale nochmal kräftig in den Hintern getreten. That´s fucking pure Rock´n Roll!!

Nachdem das Nachschwingen im Magen sich etwas beruhigt hatte und man sich draußen vor der Tür zum Austausch von Nikotin und Konzertgesprächen versammelte, fiel mir auf, wie unfreiwillig komisch diese Gespräche sein können, wenn man grade ein Karma to Burn Konzert erlebt hat. „Also bei Thirty Four gings ja richtig ab“ „Thirty Six kam voll gut“ „Ne Eight war der Kracher“ Tja so ist das, wenn man 99% seiner Songs mit Nummern betitelt.

Bei mir machte sich allerdings langsam ein mulmiges Gefühl breit, denn ich hatte ein wenig Bedenken, ob Audrey Horne diesem Rock-Bulldozer das Wasser reichen können. Ich habe drei von vier Audrey Horne Alben, die musikalisch durchaus unmissverständlich klar machen, dass es hier um puren handgemachten Rock geht, aber ob sie das live nach Karma to Burn noch so überzeugend und ebenso druckvoll umsetzen können? Ich hatte meine Zweifel.

Also wieder hinein ins ehemalige Kino, ab vor die Bühne und alle bösen Gedanken verdrängen. Nach einem amüsanten Introsong kommen die 5 Norweger auf die Bühne und legen mit Redemption Blues los. Eines ist von Anfang an klar, den klanglichen Hurricane von Karma to Burn werden sie nicht toppen, aber von der ersten Sekunde an kommt uns eine Energie und Spielfreude entgegen, die ebenso mitreißend ist und kompromisslos klarmacht, dass hier Menschen auf der Bühne stehen, durch deren Adern nichts anderes als Musik fließt. Jeder ist Eins mit seinem Instrument und Toschie an der Front steht einfach nicht still, sondern ist irgendwie überall auf der Bühne. So düster und melancholisch ihre Texte teilweise auch sein mögen, die Freude und den Spaß den sie live auf der Bühne haben, reißt hier und heute wirklich jeden mit. Die anwesenden Photografen stolpern sich gegenseitig über die Füße, weil sich auf der Bühne so viel Bewegung abspielt, dass sie mit ihrer Jagd nach guten Motiven teilweise überfordert zu sein scheinen. Immer wieder springt Toschie von der Bühne und feiert mit dem Publikum ebenso, wie diese mit ihm.

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Fotos: Django * Band: Audrey Horne

Den gesamten Auftritt über bleibt kaum Zeit zum Luft holen und irgendwie grinsen Band und Publikum gemeinsam im Kreis. 13 Songs lang spielen Audrey Horne die ultimative Kollektion der besten Songs aus ihrer mittlerweile 11jährigen Bandgeschichte.

Neben den grandiosen Posings der beiden Gitarristen Arve und Thomas fällt Bassist Espen, der erst seit 2012 mit dabei ist, immer wieder durch seine humoristischen Einlagen auf. Das alles wird aber noch durch das Finale bei Straight Into Your Grave getoppt, als die gesamte Band – außer dem am Schlagwerk gefesselten Kjetill – von der Bühne ins Publikum springen und dort gemeinsam mit ihren Fans den Song spielen.

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Fotos: Django * Band: Audrey Horne

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Fotos: Sam * Band: Audrey Horne

Mir viel dann letztendlich alles aus dem Gesicht, als Thomas mir seine Gitarre umhängte und die Saiten von vorne bearbeitete. Mehr Fan-Nähe, mehr Spaß am Spielen, mehr Freude am Musiker-Sein geht einfach nicht! Bleibt mir nur zu hoffen und zu wünschen, dass diese 5 Norweger nie so groß und erfolgreich werden, dass so eine herzliche Nähe zu ihren Fans nicht mehr möglich ist. Ein wunderbarer Konzertabend, in einer wirklich guten und passenden Location. Einziges Manko: Wenn ich nicht dieses tolle Interview mit Toschie  gehabt hätte, hätte ich mir gewünscht, ebenso lange wie meine anderen Bekannten aus Oldenburg im Stau gestanden zu haben, denn so wäre mir die Vorband erspart geblieben.

Das Interview mit Töschi befindet sich in der Schnittphase und wird bald veröffentlicht.

www.audreyhornemusic.com * www.k2burn.net * www.thebandgold.com  www.rosenhof-os.de