Anja Maier – Mütterterror am Mauerpark

Mütterterror am Mauerpark

In Berlin wird ein Konflikt leicht zum Krieg. Das ging so bei den Diskussionen zwischen Hundehaltern und Hundehassern, beim Kampf der Fußgänger gegen Kampfradler, und nun ist es der Streit der Prenzlauer Berg-Mütter gegen die MoK. Die MoK? Was war das noch gleich? Nein, in diesem Falle ist es nicht die Musik ohne Keyboard, die ich bei Viktors Radiosendungen nicht so gern mag. MoK heißt hier Menschen ohne Kinder, eine Spezies, die am Kollwitzplatz und im Mauerpark vor dem Aussterben bedroht ist.

So schildert es zumindest die taz-Journalistin Anja Maier in ihrem Pamphlet: „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“, das seit seinem Erscheinen vor einem Jahr für erhitzte Gemüter sorgt. Krieg eben.

Die Autorin prangert aber nicht nur die Monokultur der gebärfreudigen Paare des gehobenen Mittelstands an, der den Ortteil Prenzlauer Berg in einen Elternabend unter freiem Himmel verwandelt hat. Sie analysiert eine Geisteshaltung, bei der das Kind zum sinnstiftenden Mittelpunkt des Lebend wird, dem sich alles und jeder unterzuordnen hat. Während also in Unterschichtfamilien der Nachwuchs aufgrund fehlender Zuwendung verwahrlost, werden die Kleinen im Bionade-Biedermeier-Milieu in absurdem Maße überbetüttelt. Das tut weder den Kindern noch den Erwachsenen auf Dauer gut.

Das Buch von Anja Meier ist wie die Zeitung am Frühstückstisch: Man liest sie hauptsächlich, um seine Meinung bestätigt zu finden. Der Leser von„Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ bekommt genau das, was er erwartet. Die 43 kurzen Texte sind eigentlich eine Sammlung von Leitartikeln und Glossen zu einem einzigen Thema. Bei dieser Breite vermisse ich dann ein paar tiefer gehendere Gedanken darüber, wie es dazu kommt, dass es in unserer Gesellschaft auf der einen Seite arme, vernachlässigte Kinder gibt und nur Hunderte Meter weiter kleine verzogene Fürsten mit 1000-Euro-Buggys.

Anja Maier, Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern. Bastei Lübbe Verlag, 250 S., 8,99 Euro.