Helene Richter / Tchip Hopzz – The Groningen Report

Interview: Bernd Eilts für 60Minuten.net

Fotos: Zoltan Acs für 60Minuten.net

Tchip Hopzz: Homepage  /  Facebook

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Helene Richter

Bernd: Herzlichen Dank für diese nette Einladung zu diesem Gespräch, kurz vor Beginn der Tour durch Deutschland! Du tourst ja mit deiner Band “Tchip Hopzz” in Kürze durch Deutschland, und zwar am 1. September in Hamburg, in Kwesi’s Music Kitchen (Brückenstern), am 2. September in Berlin, im Zanjabil, mit B-side, am 3. September ebenfalls in Berlin im Peppi Guggenheim und am 4. September in Dresden in der Rösslstube. Und am 10. September im “Atelier” – “Il Sole In Cantina” in Groningen/Niederlande.

Helene: Ja, hallo! Mein Name ist Helene Richter, 27 Jahre alt. Bin in Rotterdam geboren und aufgewachsen. Als ich neun Jahre alt war, zog ich mit meinen Eltern nach Hamburg. Die letzten vier Jahre habe ich in Groningen/Niederlande gelebt und dort Musik am Prins Claus Conservatorium (PCC) studiert.

Bernd: Warum hast du dich entschieden, in Groningen zu studieren?

Helene: Vor dem Studium habe ich Katja Knaus in Deutschland kennengelernt, die mir sehr positiv von ihrem Musikstudium am PCC erzählt hat. Daraufhin habe ich mich dort einmal umgesehen und mich buchstäblich in die Schule verliebt! Vor allem, weil sie sehr frei und international war, zu jener Zeit. Gerade das hat mich sehr gereizt. Auch das Zusammentreffen der unterschiedlichsten Kulturen und die Freiheit, der eigenen musikalischen Suche nachzugehen.

Bernd: Es war also so eine Art von Spielplatz dort!

Helene: Ja, ganz genau.

Bernd: Was hast du in den vier Jahren deines Studiums dort gelernt?

Helene: Am meisten hat sich für mich herauskristallisiert, dass ich meinen eigenen Weg weiter beschreiten will und kann. Es gab dort sehr viel Input, vor allem auch durch sehr viele Gastdozenten aus den Vereinigten Staaten, die regelmäßig das PCC besuchten, um dort zu unterrichten. Vor allem dadurch habe ich mir meinen eigenen Weg geformt.

Bernd: Was waren deine besten und wirkungsvollsten Lehrer dort?

Helene FischerHelene: Vor allem meine Gesangslehrer haben mir sehr geholfen. Das war zum Beispiel die niederländische Sängerin Francien van Tuinen. Marjorie Barnes hat mir im letzten Jahr meines Studiums extrem viel geholfen. (Sie kam in den 70er Jahren nach Europa mit der erfolgreichen Band “The Fifth Dimension”, die den Hit “Aquarius/Let the Sunshine In” landete und sogar im Vorprogramm von Frank Sinatra spielte). Daneben ist der New Yorker Sänger JD Walter ein großes Vorbild. Eine weitere große Inspiration für mich war der amerikanische Schlagzeuger Gene Jackson. (Vor allem bekannt geworden durch seine Arbeit mit Herbie Hancock, Michele Rosewoman, Robin Eubanks, der Mingus Big Band). Es gab für mich am PCC sehr viele freundschaftliche Beziehungen mit den Lehrern, was wirklich aussergewöhnlich und sehr fruchtbar war und ist. Wir waren alle in einem Boot und haben uns immer gegenseitig geholfen. Gerade das fand ich in Groningen an der Musikhochschule immer sehr schön. Das familäre Gefühl stand immer sehr im Vordergrund und nicht etwa ein Konkurrenzkampf untereinander. Man hat sich immer sehr untereinander geholfen und sich auch füreinander gefreut!

Bernd: Während deines Studiums hast du dich auf Gesang konzentriert, oder auch noch ein anderes Instrument dazu genommen?

Helene: Ja, genau. Vor allem war es ein Gesangsstudium. Dennoch habe ich auch noch Klavier studiert. Dies zwar nicht so dominant, jedoch war es auch sehr hilfreich.

Bernd: Meine nächste Frage bezieht sich auf deine Band, “Tchip Hopzz”. Wie ist das alles entstanden?

Helene FischerHelene: Als ich nach Groningen ans Conservatorium kam, hatte ich schon den großen Wunsch, eine eigene Band aufzubauen. Meine Idee war es, ganz einfach Leute anzusprechen, die mich musikalisch und persönlich interessieren würden. Witzig war es, als ich meine Aufnahmeprüfung dort machte, saß ich hinterher in der Kantine und hörte Benson Itoe, mein jetziger Bassist, der dort mit Adedeji Adetayo am jammen war. Vor allem auch diese Situation inspirierte mich sehr, daß Musik dort ganz einfach und ungezwungen und liebevoll am wirken war. Benson war einer der ersten, der mir dort auffiel. Als ich dann mit dem Studium begann, traf ich auch meinen jetzigen Gitarristen Jorrit Westerhof und meinen ersten Pianisten, Toms Mikals. Nachdem ich dann meine ersten Arrangements geschrieben hatte, Jazzstandards, habe ich meine ersten Aufnahmen mit Benson, Jorrit und Toms gemacht. Das war der Anfang! An den Wochenenden ging ich oft in den Jazzclub “Il Sole In Cantina”, auch bekannt unter dem Namen “Atelier”. Ich fand es dort aussergewöhnlich und sprach mit dem Eigentümer Leonardo Grimaldi und fragte ihn, ob ich dort auch einmal spielen könnte. Nachdem ich ihm meine ersten Arrangements geschickt hatte, erklärte er mir, dass er nur eigenes Material in seinem Club akzeptieren würde. Das hat mich dann inspiriert, meine eigenen Songs zu komponieren und sie mit meinen ersten musikalischen Begleitern einzuspielen. Plus einem Schlagzeuger, den ich auch noch brauchte. Das wurde dann zunächst Morton Poulson aus Dänemark. Doch haben die Schlagzeuger oftmals gewechselt. Mittlerweile wechseln die Musiker der Band, vor allem bedingt durch Umzüge, doch wird es mir immer deutlicher, was ich eigentlich will und brauche mit dieser Band.

Bernd: Wer spielt jetzt in “Tchip Hopzz” mit dir zusammen?

k-ZoltanAcs-4412-20160829Helene: Benson Itoe aus Kamerun am elektischen Bass, Jorrit Westerhof aus den Niederlanden an der elektrischen Gitarre, Aleksandar (Alex) Skoric aus Serbien am Schlagzeug und Aurora Hentunen aus Finnland am Fender Rhodes. Für die Tour jetzt im September habe ich Freunde aus Hamburg angeschrieben, die zu den Terminen einen Bläsersatz bilden werden und uns unterstützen. Daneben lade ich auch andere Gäste zu unseren Konzerten ein, die ich dann besonders vorstelle. Es interessiert mich nämlich sehr, dadurch eine andere Musikmischung und andere Ideen zu bekommen, was der Band natürlich nur zu Gute kommt.

Bernd: Warum passen die Bandmitglieder so gut zu dir und deiner Musik?

Helene: Am bedeutungsvollsten ist es meiner Meinung, dass wir alle sehr unterschiedlich sind. In der Musik verbindet uns viel sehr kraftvoll, aber als Personen sind wir sehr anders. Aber dadurch wird es gerade schön und interessant, besonders kernig! Wir kommen alle aus sehr unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Und gerade das fühlt man hier sehr stark!

Bernd: Also entsteht hier eine Art vulkanischer Verbindung in deiner Musik durch diese besondere Band!

Helene: Genau. Es ist ja auch so, dass man unser Genre nicht so gut definieren kann. Es entwickelt sich beständig weiter und ist ein sehr grosser Mix aus Stilen, die mir persönlich sehr gut gefallen. Daraus versuche ich, einen Bandsound zu entwickeln.

Bernd: Was interessiert dich in der Musik? Wohin willst du gehen?

Helene: Wir waren die letzten drei Jahre sehr stark auf der Suche nach uns selbst, nach uns als Band “Tchip Hopzz”. Anfänglich habe ich auch immer sehr viel Wert darauf gelegt, Freiräume für Improvisationen zu schaffen. Viele davon! Jetzt formt sich eine größere und strukturelle Situation heraus, wodurch es auch für das Publikum klar wird, wohin der Sound eigentlich geht, was wir ausdrücken wollen. Dorthin will ich gehen mit meiner Musik, mit dieser Band. Jetzt geht es immer deutlicher in die rockige Avantgarde. Ursprünglich komme ich aus dem Theater, was mir in Beziehung zu der Arbeit mit “Tchip Hopzz” sehr zugute kommt. Die ganze Performance ist mir wichtig! Das ist meine Richtung, dorthin werde ich mich immer weiter bewegen.

Bernd: Ganz grundsätzlich gefragt, warum hast du dich entschieden, Sängerin zu sein?

Helene: Das hatte mehrere Gründe. Ich war schon früh auf der Bühne, da ich Theater gespielt habe. Damals bekam ich oft zu hören, dass meine Stimme zu leise sei. Daraus entstand dann der Wunsch, an meiner Stimme zu arbeiten. Ich hatte auch gute Freunde, die gesungen haben und eine Freundin hat mich damals durch ihren Gesang sehr berührt. So entstand der Wunsch, zu singen und weiter an meiner Stimme zu arbeiten. Daneben ist es mir wichtig, meine Präsenz auf der Bühne weiter, auch technisch, zu entwickeln und auszubauen.

Bernd: Du komponierst die Musik und schreibst auch die Texte?

Helene: Ja, das stimmt.

Bernd: Wovon handeln die Songs?

Helene: Das ist sehr unterschiedlich. Ich mag es ganz gerne, abstrakte Songs zu schreiben. Eines meiner neueren Lieder beschreibt einen Bilderrahmen, hat aber eine tiefere Bedeutung. Der erste Eindruck erscheint sehr simpel, erwächst allerdings in eine tiefere bedeutende Helene FischerGeschichte. Bevor ich ans Schreiben gehe, bin ich sehr stark am “brainstormen”. Dabei beleuchte ich Themen, die ich vorher schon öfter besungen habe, von den unterschiedlichsten Seiten. Und versuche, neue unbekannte Wege zu betreten. Ein Lied, das ich schrieb, handelt von Schlaflosigkeit, da ich große Probleme mit dem Schlaf hatte und immer mal wieder habe. Ein anderes Thema, dass ich beschrieben habe, behandelt das große anwesende Theater mit den immer präsenten Bildschirmen in unserem Leben. Das Menschen nur noch mit Internet leben können und dem fixierten Blick auf die Bildschirme der vielen Smartphones. Natürlich habe ich auch sehr verträumte Lieder, märchenhaft und romantisch. Zum Beispiel habe ich über Ritter geschrieben, jedoch immer mit einer versteckten und guten “Message” in der Kapuze! Also immer mit einer tieferen Bedeutung dahinter. Vieles hat bei mir mit Selbstfindung zu tun. Wenn ich merke, dass ich gegen etwas stoße, dass ich mit etwas umzugehen zu lernen habe, dann hilft mir das auch, darüber zu schreiben. Schlaflosigkeit und auch das ganze Geschehen in Verbindung mit dem Internet holen mich oft auch wieder im Alltag ein.

Bernd: Hast du heute schon komponiert?

Helene: Heute habe ich einen neuen Blues geschrieben, der nennt sich “Ugly Duckly Blues” und handelt vom hässlichen Entlein. Wir haben es noch nicht gespielt, aber werden es gleich proben.

Bernd: Während deines Bachelor Konzertes habe ich auch einen Song gehört, den du für und mit einem Streichensemble eingespielt und arrangiert hast. Kannst du darüber etwas erzählen? Kommt da noch mehr? Was dürfen wir erwarten?

Helene: Das ist eine gute Frage! An der Arbeit mit den Streichern hatte ich sehr viel Spass! Das Ganze entstand eigentlich aus einem Zufall heraus. Zunächst gab es eine Aufgabe der Schule dafür und ganz am Anfang fiel es mir sehr schwer, damit zu arbeiten. Doch durch die Arbeit damit empfand ich mehr und mehr große Freude und entstand ein immer grösseres Interesse. Was die Schule mir gab, nämlich die Vielfältigkeit und die große Liebe zur Musik, dabei nicht festgeklammert zu sein an bestimmte Genre oder Stile, war für mich extrem bedeutungsvoll. Und genauso plane ich, weiter zu gehen, auch weiter zu arrangieren, was mir übrigens auch grossen Spass bereitet. Meine eigenen Kompositionen noch einmal für andere Besetzungen zu schreiben.

Bernd: Wie muss ich mir deine Arbeit eigentlich vorstellen? wenn du mit einem Streicherensemble arbeitest, bedeutet dies, dass du für jedes einzelne Instrument die Noten schreibst?

Helene: Ja.

Bernd: Ist das nicht unglaublich viel Arbeit?

Helene: Ja, das ist viel Arbeit.

Bernd: Wie geschieht es, dass du dich da einleben kannst?

Helene: Wir haben ja heutzutage ein Computerprogramm mit dem Namen “Sibelius”, ein Notationsprogramm. Da kann man schon vorher den Sound der einzelnen Instrumente hören und sich ein Bild davon machen, wie es ungefähr später klingen wird. Ich habe kein absolutes Gehör dafür. Für meine Abschlussarbeit, gerade für den Song mit den Streichern, habe ich im Voraus mehrere Versionen komponiert. Daraus haben wir dann die beste Version genommen, mit der wir alle zufrieden waren. Ich fragte auch viel herum bei den Streichern und informierte mich über die Spielbarkeit der Ideen.

Bernd: Denkst du daran, in der Zukunft auch mehr Songs mit Streichern aufzunehmen?

Helene: Ich habe es sehr genossen, mit dem Streichquartet zu arbeiten. Was die Zukunft bringt, werden wir dann sehen.

Bernd: Was bedeutet es für dich, mit echten Streichern zu arbeiten? Ist es ein Transportmittel für deine Texte, auch um in eine andere Landschaft zu gelangen?

Helene: Ja, es entstanden dabei andere Klangfarben. Das hat mir sehr gut gefallen und war auch stimmlich für mich ganz anders. Denn normalerweise habe ich immer eine sehr laute Band um mich herum. Mit den Streichern dagegen konnte ich jede einzelne Nuance sehr deutlich, auch sehr leise Passagen, hervorragend erkennen. Für diese Arbeit mußte ich mich vor allem auch stimmlich neu einbringen, was eine große Herausforderung war.

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Bernd: Ich kann mich erinnern, dass der Titel deines Abschlußkonzertes “Farbenfroh” war.

Helene: Genau! Das ist auch mein Lebensmotto. Damit werde ich auch weiter arbeiten.

Bernd: Was inspiriert dich eigentlich?

Helene: Die Menschen, die ich hier in Groningen getroffen habe, inspirieren mich sehr viel. Dazu kamen die ganzen Bands, die ich hier erleben durfte, als ich vor vier Jahren in Groningen ankam. Bands, die im Rahmen des Studiums entstanden sind und die es zum Teil noch immer gibt. Dabei war mir wichtig, dass es viele Möglichkeiten in den Mentalitäten der Musiker gab und die unterschiedlichsten Musikströmungen ineinander fliessen können. Menschen inspirieren mich sehr. Ich geniesse aber auch Kunstausstellungen und beschäftige mich damit. Dazu kommen dann auch Gedichte und Kurzgeschichten, die mich ebenso inspirieren können, wie zum Beispiel die Geschichte vom hässlichen Entlein.

Bernd: Welche Künstler interessieren dich?

Helene: Erst letztens war ich im Vincent van Gogh Museum. Der Besuch inspirierte mich dazu, eine Biografie von Van Gogh zu kaufen und mich mit seinem Leben zu beschäftigen. Sein Leben und sein Werk finde ich sehr interessant und bewegend.

Bernd: Wenn du singst, vergißt du dann auch manchmal etwas deines Textes?

Helene: Das ist bislang sehr selten passiert. Meine Texte sind so präsent in mir, die können mir nicht entfallen.

 

Bernd: Deine Songs sind in der Arbeit mit deiner Band “Tchip Hopzz” ja sehr rythmisch orientiert. Es gibt dort einen unglaublichen Groove! Viele Abwechslungen zwischen heftigsten Rythmen, zwischen sehr lauten, exstatischen Phrasen und sehr leisen, zärtlichen Passagen. Deine Musik ist schon wirklich extrem interessant! Was inspiriert dich, um solch eine Musik zu schreiben und woher kommt dieser unglaubliche Groove?

Dieser Dampf? Diese Maschine?

Helene: Ich bin mit sehr viel Groove aufgewachsen. Mein Vater hat zuhause viel Musik von Earth, Wind & Fire und James Brown gehört, womit ich somit groß geworden bin. Auch mochte ich immer sehr gerne Hip Hop! Daraus entwickelte sich meine große Vorliebe für sehr extremen Groove. An der Musikhochschule lernte ich dann auch sehr viel über Polyrythmen, was ich äußerst faszinierend finde! Das bedeutet, daß man in der Lage ist, mehrere unterschiedliche Rythmen, die aus verschiedenen Zählzeiten bestehen, miteinander verknüpft oder sie übereinander legt. Zum Beispiel einen 7/8 über einen 4/4-Takt legen. Das finde ich faszinierend und liebe es sehr!

Bernd: Es scheint, dass du darin eine Meisterin bist!

Helene: Oh! Das weis ich nun nicht, aber es macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß! Das hat auch eine sehr starke afrikanische Tradition. Benson Itoe, mein Bassist, hat mir dabei sehr geholfen und mich inspiriert.

Bernd: Also gibt es innerhalb der Band auch die Möglichkeit, dass alle Musiker miteinander auch Songs arrangieren?

Helene: Nicht direkt. Doch bringe ich Ideen in die Proben und oft weis Benson direkt, was wie funktioniert und was man noch verbessern kann.

Bernd: Wie fühlt sich das eigentlich für dich an, um in dieser wahnsinnigen Band zu singen? Was passiert zum Beispiel während eines Konzertes bei dir? Dein Körper ist dein Instrument, deine Schwingung.

Helene: Das ist schwer zu beschreiben, weil es grundsätzlich ganz einfach ein tolles Gefühl ist. Ich verschmelze sozusagen mit der Musik. Wenn alles gut läuft, der Sound, das Publikum, die Bühne, dann fange ich an zu schweben! Das macht mich sehr glücklich und natürlich möchte ich diese Zustände weiterführen. (Lacht). Es entwickelt sich eine Art von Trance. Unsere Musik fühlt sich generell an wie Tripping! So beschreibt es oft das Publikum! So verschmelzen wir, die Band, zusammen mit dem Publikum in Grooves.

Bernd: Woher kommt eigentlich der Name deiner Band, “Tchip Hoppz”?

Helene: Dafür gibt es ganz viele verschiedene Ursachen und Beschreibungen. Es fing damit an, Hip Hop und Jazz miteinander zu verschmelzen. Wir haben einen Song, der nennt sich “Tchip Tchip”. Dabei geht es um ein kleines Vögelchen, das in mir aufblüht. Ein kleines Küken, das gerade geschlüpft ist! Mittlerweile geht es jedoch in eine etwas andere Richtung, nämlich Rock.

https://www.youtube.com/watch?v=Md8AkFAzwPQ

Bernd: Müßtest du denn dann nicht den Namen verändern?

Helene: Nein! Es bleibt jetzt dabei! (Lacht)!

Bernd: Du kommst ja eigentlich aus Deutschland, wie wir vorher schon erfahren haben und lebst jetzt in den Niederlanden. Dein Studium hast du mit einem Bachelor abgeschlossen und lebst nach wie vor in Groningen. Warum zieht es dich jetzt nicht nach Berlin oder Hamburg oder irgend eine andere größere Stadt?

Helene: Ich wollte jetzt erst mal nicht zurück nach Deutschland. Ich hatte hier in Groningen einen guten Start, fühlte mich hier immer sehr wohl. Natürlich habe ich da viel drüber nachgedacht. Dennoch hatte ich das Gefühl, viel Gutes zurücklassen zu müssen und das wollte ich einfach nicht.

Bernd: Wer bist du eigentlich, wenn du nicht mit Musik verknüpft bist?

Helene: Ich male sehr gerne. Mittlerweile nicht mehr ganz so oft, aber immer wieder. Dann treibe ich auch Sport, bin gerne mit Freunden zusammen und lerne gerne neue Menschen kennen! Dieses Geben und Nehmen kann auch lustig sein, verrückt sein! Und ich kann auch mal laut sein, was man wahrscheinlich nicht grundsätzlich von mir denken mag.

Bernd: Na ja, du bist ja auch eine Bandleiterin! Du spielst ja nicht nur in einer Band, es ist ja DEINE BAND! Du mußt ja auch Power haben, Kraft und einen starken Charakter!

Helene: Ich habe halt sehr schüchterne Seiten in mir aber merke auch, mit der Band zusammen, dass ich besser, kräftiger und bestimmter aus mir herauskommen kann. Da hat mir die Musik auch immer geholfen und das spiegelt sich auch mittlerweile im Alltag wieder. Ich habe noch einen Kellnerjob und bin da mittlerweile auch viel selbständiger und offener, als noch am Anfang. So habe ich gelernt, freier mit Menschen umzugehen.

Bernd: Was könntest du jungen Musikern für Tipps geben?

k-ZoltanAcs-4400-20160829Helene: Was ich hier in Groningen an der Musikhochschule so gut fand, ist, nicht zu vergessen, dass WIR alle Musik machen und lieben, dass WIR alle in einem Boot sitzen. Das dies nicht bedeutet, konkurrieren zu müssen, sich gegenseitig weg zu stoßen. Wir sollten immer zusammen halten und uns gegenseitig helfen. “Cantina Records” ist das Label, bei dem wir unsere erste CD aufgenommen haben. Auch dort besteht ein großer familärer Zusammenhalt, der Wille, sich immer gegenseitig zu unterstützen, auch mit der Kraft eines großen Netzwerkes. Das wäre mein Tipp!

Bernd: Denkst du, dass es gut ist, zu studieren?

Helene: Ja sicher. Vor allem auch, weil man dadurch sehr viele Leute kennenlernt. Musik zu studieren hat ja auch nicht nur mit Musik zu tun. Die Ebenen darin sind sehr vielfältig. Musik machen ist ja auch etwas sehr privates, auch sehr intim.

Bernd: Welche Musik hörst du selber?

Helene: Da lebe ich in unterschiedlichen Phasen. So hat mir mein New Yorker Lehrer JD Walter sehr viele neue Bands empfohlen. Tom Waits liebe ich, Björk, Erykah Badu.

Bernd: Du bist ja jetzt auf einer kurzen Deutschland Tour mit deiner Band. Bist du schon öfters mit ihnen auf Tour gewesen?

Helene: Dies ist unsere erste richtige Tour. Wir haben schon mehrmals in Hamburg gespielt, an einem Wochenende, was beinahe eine kleine Tour war. Doch jetzt haben wir Konzerte an vier zusammenhängenden Tagen und das freut mich sehr.

Bernd: Du hast auch Vertrauen, dass sich die Band mit dir verträgt?

Helene: Ja, mit Sicherheit!

Bernd: Herzlichen Dank für dieses Gespräch und ich wünsche dir viel Erfolg in Germany!!

Helene: Vielen Dank!!

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