Die Wölfin – Die Phileasson Saga, Teil 3

Die Phileasson Saga - Die Woelfin von Bernhard Hennen
Die Phileasson Saga – Die Woelfin von Bernhard Hennen

Die Wölfin: nach ihren Abenteuern im Himmelsturm führt ihr Wettstreit mit Beorn dem Blender Asleif Phileasson und seine Mannschaft schließlich in den wilden Nordosten Aventuriens. Dort, in den verwunschenen Wäldern und weiten Ebenen, müssen sich Phileasson und seine Gefährten grimmigen Feinden und waghalsigen Herausforderungen stellen. Währenddessen wird auch Beorn mit dunklen Gefahren konfrontiert, die einen Schatten auf seine Seele legen. Beide, Beorn und Phileasson, beginnen zu begreifen, dass diese Wettfahrt sie vielleicht mehr kosten könnte als nur das Leben …

Bernhard Hennen (Autor)
Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Als Journalist bereiste er den Orient und Mittelamerika, bevor er sich ganz dem Schreiben fantastischer Romane widmete. Mit seiner Elfen-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.

Robert Corvus (Autor)
Robert Corvus, 1972 geboren, studierte Wirtschaftsinformatik und war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig, bevor er mehrere erfolgreiche Fantasy-Romane veröffentlichte. Er lebt und arbeitet in Köln.

Im Vorfeld der Veröffentlichung des dritten Teils der Phileasson Saga durfte ich mit Bernhard Hennen und Richard Corvus ein ausführliches Gespräch führen. Es war spannend und hat eine Menge Spaß gemacht! Ich freue mich auf die Wölfin. Die Musik am Anfang und am Ende des Interviews stammt von Rag ’n‘ Bone Man: Wolves. Irgendwie..passend!;)

 hennencorvus

Auszug der Leseprobe (Quelle Randomhouse)

PROLOG WOLFSKIND Fünfzehn Meilen östlich von Leikinen, dreiundzwanzigster Tag im Kornmond, vor fünfundzwanzig Jahren Winja zog den Elchfellmantel fester um ihre Schultern, obwohl sie so nah am großen Feuer saß, dass sie schon jetzt schwitzte. Der Mann mit dem bis auf einen Zopf geschorenen Schädel faszinierte sie. Bronzekugeln beschwerten die Spitzen seines Schnurrbartes, sodass sie vor seiner Brust baumelten, und dunkle Farbe umrandete seine Augen. Sie hoffte, dass er sein dreisaitiges Instrument bald gestimmt haben würde. Die anderen Norbarden vertrieben sich die Wartezeit durch ein Schwätzchen mit ihren Sippengenossen, mit den Nivesen, die ihr Weglager teilten, oder mit Winjas Eltern. Aber das allgemeine Gemurmel war leiser als der Gesang der Nacht. Es reichte nicht aus, um das Geheul der Wölfe zu übertönen. Gleich mehrere Rudel mussten sich in dem Wald befinden, durch den sich die Handelsstraße wand, denn Winja hörte sie aus allen Richtungen. Ob sie einander antworteten? Der Gedanke war dem dreizehnjährigen Mädchen unheimlich, denn das hätte bedeutet, dass diese mit Reißzähnen bewehrten Hetzjäger über eine Sprache verfügten. Dann wäre es möglich gewesen, dass sie sich verabredeten. Die Feuer des Nachtlagers, in dem der Kastenwagen ihres Vaters zwischen den bunt bemalten Gefährten der Norbarden und den aus Bahnen grober Wolle zusammengesetzten Zelten der Nivesen fremd wirkte, waren den Wölfen bestimmt aufgefallen. Vielleicht luden sie die weiter entfernten Rudel zum Festmahl ein, bevor sie zuschlugen. Trotz der Wärme zitterte Winja. Zu Hause in Norburg war das Wolfsgeheul ein angenehmer und harmloser Grusel. Dort schützte eine wehrhafte Palisade die Bürger vor wilden Tieren. Aber hier waren sie in der Wildnis. Winja hatte gehört, dass Handelszüge entlang des Svellts die Wagen nachts zu einem Kreis zusammenfuhren, um das Lager zu schützen. Die Norbarden hielten davon offenbar nichts. Die oft mit Bienenmustern verzierten Gefährte standen lose beisammen, und die Zugpferde grasten mit gefesselten Beinen zwischen den Bäumen. Man schien allzu sorglos. Ein lang gezogenes Heulen stieg einsam zum Vollmond auf. Kam es aus der Kehle des Leitwolfs? Augenblicklich beschwor Winjas Vorstellungskraft ein Monstrum, so groß wie ein Ochse, mit blutroten Augen und einem Maul, das mühelos eines ihrer Beine durchbeißen und verschlingen konnte. Sie folgte dem Funkenflug, bis ihr Blick über den sternklaren Himmel wanderte, und versuchte, sich zu beruhigen. Sie war dreizehn Jahre alt, kein Kind mehr, auch wenn ihr Vater das nicht wahrhaben wollte. Sie schielte zu ihm hinüber. Jasper Nutjes – eigentlich Jasu, aber den nivesischen Namen, den Großmutter ihm gegeben hatte, benutzte er nie – war bester Laune. Er versprach sich viel von diesem halben Jahr in Riva. Er brachte reichlich scharf gebrannten Meskinnes und anderen Schnaps in die Stadt im Norden, und auch eine Truhe voll Silber und Gold. Damit wollte er den Winter über Pelze aufkaufen und mit den besten Stücken seinen Wagen füllen. Wenn alles gut liefe, würde er noch einen zweiten und einen dritten dazukaufen, um die wertvolle Ware zurück nach Norburg zu bringen. Robbenfelle waren derzeit bei den Damen im Bornland besonders gefragt. Dadurch würde er sein Vermögen verdoppeln, sagte er, wenn er nüchtern war. Wenn er trank, stieg seine Schätzung für den Gewinn auf das Drei- oder Vierfache. Seit einem Jahr lag er Winjas Mutter damit in den Ohren, und schließlich hatte sie in das Abenteuer eingewilligt. Jetzt sprach ihr Vater mit mehreren Norbarden, die in einem Halbkreis um ihn herumsaßen. Die Männer waren zu weit entfernt, als dass Winja die Worte verstanden hätte. An den über den Kopf gereckten Armen und den zu Krallen gebogenen Fingern erkannte sie trotzdem, dass ihr Vater wieder von dem Bären erzählte, dem er im Bornwald begegnet war. Das Biest hatte, ausgehungert vom Winterschlaf, das Packpferd gerissen und sich danach diesem Mahl gewidmet, sodass Winjas Vater entkommen war. Auf der anderen Seite des Feuers küssten sich zwei Liebende hingebungsvoll. Winja wusste, dass ihre Mutter schimpfen würde, wenn sie bemerkte, dass die Tochter solche Sachen beobachtete, aber ihre Mutter war nirgendwo zu entdecken. Vielleicht hatte sie sich schon schlafen gelegt. Also lugte Winja verstohlen zum Paar hinüber. Der Mann, ebenso kahl wie der Spieler, der sein Instrument stimmte, saß mit untergeschlagenen Beinen am Feuer. Die Frau lag halb auf seinem linken Oberschenkel, ihr Hemd war aufgeschnürt. Eine Hand des Mannes verschwand in der Öffnung und kreiste unter dem Stoff, während sich die Lippen bewegten, als würden die beiden an der Zunge des anderen lutschen. Winja fand das merkwürdig. Natürlich wusste sie, was ein Kuss war, aber wieso öffnete man dabei den Mund? Reichte es nicht, die Lippen aufeinanderzudrücken? Schon diese Vorstellung fand sie aufregend, aber was ……

ORIGINALAUSGABE
Paperback, Klappenbroschur, 592 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-31753-6
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
DEMNÄCHST
Erscheint: 12.12.2016

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